Reise durch die Geschichte: Vom Abenteuerkleinbus zum Expeditionsmobil

Diese Rubrik ist einem beinahe lebenslangen Steckenpferd gewid-met: Urlaub in der fahrbaren Woh-nung oder anders ausgedrückt: Im Ausland daheim. Die Ideen, Fan-tasien und Ziele, die hinter diesem Lebensmotto stehen, sollen auf den nachfolgenden Unterseiten nach und nach weiter ausgebaut werden.

 

Dabei soll u.a. auch die Entwicklung im Reisemobilbereich aufgezeigt werden, die es heute ermöglicht, über viele Wochen völlig autark in der Wildnis zu stehen und - wie bisher dem Militär vorbehalten - selbst schlechteste Wetter-, Wege- und Fahrbedingungen zu meistern. Was dazu an Ausrüstung und sonstigem Zubehör etc. notwendig ist, soll auf diesen Seiten ebenfalls zur Sprache kommen und näher analysiert werden.

 

Es ist die Geschichte einer langen Reisemobilreise von den 1970ern bis heute. Eine Geschichte, die sich bisher innerhalb der Grenzen des alten touristischen Europa abspielte, die aber nun die Tore öffnet sowohl in den Südosten (Richtung Kaspische See) als auch den Nordosten (Richtung Ural-Gebirge und Baikalsee). Dabei sollen in den nächsten Jahren die Völker und Kulturen und nicht zuletzt die alten Kulturlandschaften der ehemaligen Ostblockstaaten näher ins Auge genommen und anhand von Texten und Bildern für das interessierte Leserauge lebendig gemacht werden. Dazu freilich sind gelän-degängige Mobile notwendig. Einen Querschnitt über die Arten von geländegängigen Mobilen zeigt ein bekannter Mitarbeiter und Filmemacher des Allradmagazins "Der Explorer" hier.

 

Auch in diesem Film wird deutlich: Der Begriff "geländegängig" ist ein sehr verwaschener Begriff. Es gibt zahllose Arten von Gelände und ein jedes braucht eine geländespezifische Fahrzeugspezifikationen. Grundsätzlich gelten dabei folgende miteinander inkompatible Prämissen, die nur ganz individuell in Einklang gebracht werden können:

 

1. Ein Fahrzeug ist umso geländegängiger, je leichter es ist.

2. Je länger die Reise, desto größer sollte das Reisemobil sein.

 

Dabei wird die Schwere eines Expeditionsmobils im Vergleich zu leichteren Varianten auch nur sehr begrenzt durch die Leistungsfähigkeit seines Motors ausgeglichen. Das liegt daran, dass die reine Motorenleistung erst über die Traktion der Räder aufs Gelände übertragen wird. Ist diese Traktion geländebedingt eher schlecht (z.B. aufgrund eines rutschigen Untergrunds), dann hilft weder eine überdimensionierte Motorenleistung noch eine extrem untersetztes Getriebe samt allen möglichen Sperren sonderlich viel. Sehr wohl aber die geringer notwendige Vortriebsleistung eines leichteren Fahrzeugs. Daraus folgt: Das "richtige" oder "beste" Reise- bzw. Expeditionsmobil gibt es nicht. Es ist immer ein individueller Kompromiss zwischen Wohnlichkeit und Zuladungsfähigkeit einerseits und spezifischen Anforderungen an den Oberbegriff Geländegängigkeit andererseits.

 

Etwas entschärft wird die genannte Inkompatibilität allerdings dadurch, dass selbst lange Weltreisen sich i.d.R. immer auf Straßen bzw. Stein-, Geröll- oder Sandpisten abspielen werden. Eher selten sind andere, schwierigere Geländearten, in denen steile Bergpässe, tiefe Furten oder schlammige Waldwege eine Rolle spielen. Nur für letztere gelten im Prinzip die hier beschriebenen Anforderungen an eine Geländegängigkeit, die mehr erfordert als nur die Fähigkeit, aus nassem Gras oder kleinen Sand-löchern  rauszukommen.

 

Im Zusammenhang mit dem eben beschriebenen Begriff der Geländegängigkeit fällt wie ebenfalls erwähnt häufig auch der Begriff des Expeditionsmobils. Er ist ein bisschen hochtrabend, in den meisten Fällen wohl pure Augenwischerei, denn um Expeditionen im eigentlichen Sinn geht es wohl eher selten. Insofern wäre der Begriff Fernreisemobil mit Geländeeigenschaften der treffender Aus-druck. In der Anfangszeit der Fernreisemobile (der gute alte VW-Bus o.ä.) war von Geländegängigkeit kaum eine Rede. Die allermeisten Pisten lassen sich auch mit Zweiradantrieb befahren - man muss notfalls halt die Zeit aufbringen und auf gutes Wetter warten. Und aus einem normal nassen Untergrund rauszukommen, reichen meist auch gute, grobstollige MT-Reifen. 

 

Diese Szene hat sich in den letzten Jahren ein wenig gewandelt, da es nicht mehr nur um Fernreisen ging, sondern um den Kick eines Abenteuers und die Wollust, auch noch in den letzten Winkel dieser Erde zu kommen. Egal ob nordische Sümpfe oder südliche Wüsten, das Abendteuer dahin und in Extremlandschaften durchzukommen, wurde zunehmend das Ziel einer gelangweilten Geldelite. Dazu war dann in der Tat eine möglichst umfangreiche Geländetechnik notwendig, mit Achs- und zentralen Getriebesperren, Untersetzungsgetriebe und zunehmend größere Reifen. Diese Art der eher militäri-schen Fortbewegung hat aber im Grunde mit dem Begriff des ursprünglichen Fernreisemobils eher weniger zu tun. Es ist vielmehr eine Art modernes Freizeitvergnügen für abenteuerlich eingestellte Zeitgenossen: Nice to have, but costs a hell of a lot of money.