Ein neues Wohnmobil ist im Anmarsch: Unser Peaky Smiley ...

 

... ein neues Abenteuer im Werdegang der einzelnen Stationen beschrieben.

 

Ein neues Expeditionsmobil ist im Anmarsch und die Frage stellt sich sicherlich vielen Lesern: Warum? Etwas besseres als einen Unimog gibt es schlechthin nicht.

Es waren viele und sehr unterschiedliche Gründe, welche uns Abschied nehmen ließen von unserem Grasmog. Und keiner der Gründe lag in einer wie auch immer gearteten Unzufriedenheit mit dem Fahrzeug. Die eigentlichen Gründe sind wirtschaftspolitischer und zeitgeistiger Art, die ein lautes und rauchendes Ungetüm als nicht länger politisch korrekt einstuften. In diesem Zusammenhang gilt es sich bewusst zu machen, dass bei einem Unimog viele Systeme Druckluft gesteuert sind und dies über kleine Hochdruckbehälter (18 bar) gesteuert wird. So auch die Feststellbremse, die Gänge samt Getriebe usw., was in der Praxis bedeutet, dass bei einem Kaltstart der Motor erst einige Minuten laufen und die Luft mit schwarzen Schwaden verpesten muss bis sich die Druckluftbehälter gefüllt haben und man losfahren kann - für etwaige Anwohner (sei es zuhause oder an Stellplätzen) häufig eine Zumutung.

Nachdem zudem lange Fernreisen in den asiatischen Kontinent sowohl aus gesundheitlichen als mittlerweile auch aus politischen Gründen zumindest im Moment nicht in Frage kommen und gleich-zeitig die Auflagen für Dieselfahrzeuge immer heftiger werden, haben wir uns für ein zeitgemäßes Fahrzeug entschieden. Es ist zwar - vor allem in seiner neuen Version von 2019 - weniger gelände-gängig als der Unimog, aber immer noch ausreichend für unsere Zwecke. Diese liegen in erster Linie in sandigem oder matschigen Untergrund und weniger im Furten tiefer Gewässer oder Fahrten durch sibirischen Frühjahrsschlamm.

Wie der Unimog hat auch der neue Daily 4x4 Allrad-Antrieb mit drei Sperren und ein Untersetzungs-getriebe. Nur die Bodenfreiheit und damit verbunden die Watfähigkeit sind aufgrund der kleineren Bereifung und der fehlenden Portalachsen geringer als beim Unimog. Darüber hinaus natürlich auch die Verwindungsfähigkeit, die allerdings in der Realität (außer vielleicht bei Kiesgrubenfahrten) eine eher untergeordnete Rolle spielt, da - anders als beim Militär - für Expeditionsmobilisten normaler-weise keine Notwendigkeit besteht, mit 60 km/h über einen Acker oder durch tief gefurchte Wald-böden zu jagen.

Und wie auch beim Unimog muss das Fahrgestell auf die Reisemobilbedürfnisse umgestellt werden. Ging es beim Unimog darum, aus einem Ackergaul ein gutes Reitpferd zu machen, geht es beim Daily darum, aus einem City-Bike ein Touren-Bike werden zu lassen. Größere Reifen, Spurverbreiterung, Höherlegung, größerer Kraftstofftank, Schnorchel, Seilwinde etc. sind nur einige der Anbauten, die geändert werden müssen. Die derzeitigen Fahrgestellbilder zeigen noch die Herkunft des Daily als relativ braves Kommunalfahrzeug. Sein Name "Peaky Smiley" rührt von seiner Frontgestaltung mit dem abfallenden Alkoven her, die einem lachenden Emoticon mit einer Schiebermütze gleicht (siehe unten linkes Bild).

Die Wohnkabine:  

Ähnlich wie der Unimog sollte oder besser muss auch das neue Mobil bei unterschiedlichen Hand-werksbetrieben auf- bzw. ausgebaut werden. Zum einen, weil die einschlägigen Expeditionsmobilher-steller über Jahre hinaus ausgebucht sind. Zum anderen, weil deren Monopol, alles in einer Hand zu haben, zunehmend zu astronomischen Kosten führte. In diesen Firmen wird jeder Handgriff in Gold aufgewogen und dafür haben wir weder das Geld noch die Lust.

Nachfolgend nun die ersten Bilder des Aufbaus. Im Gegensatz zum Unimog soll es ein windschnittiges Fahrzeug werden mit einem großen Gepäckalkoven, da der sonstige Stauraum aufgrund der geringe-ren Außenmaße - vor allem die um ca. 20cm geringere Breite - kleiner ist als beim Unimog. Im Vergleich zu den ca. 2500 Litern Außenstauraum des Unimog (inkl. Dachkoffer) hat der Daily nur ca. 2200 Liter Außenstauraum (inkl. Gepäckalkoven). Außerdem, und hier im krassen Gegensatz zum Unimog, erniedrigt der flach nach unten gezogene und sich horizontal verjüngende Gepäckalkoven und der schmälere Aufbau den Stirnwiderstand (cw-Wert) im Vergleich zum Unimog beachtlich, was sich günstig auf den Kraftstoffverbrauch auswirken wird (ca. 30 Prozent geringerer Verbrauch). Bei den derzeitigen und wohl auch zukünftigen Spritpreisen ein nicht zu vernachlässigender Vorteil.

Durch seine geringere Breite ist aber auch ein wendigeres Fahrzeug entstanden, das sich weniger stressig durch kleinere Ortschaften, schmaler Bergstraßen oder ganz allgemein im urbanen Straßen-verkehr fahren lässt. Die Gesamtmaße sind mit 6,5m x 2,15m x 3,2m (LxBxH) ebenso wie das zGG. von 5,5 Tonnen deutlich unter der LKW-Klasse, ohne aber gleichzeitig am Wohn- und Stauraum unter die Bedürfnisgrenze gehen zu müssen. Allerdings wurde durch das geänderte Längen-/Breiten-verhältnis im Vergleich zum Unimog eine andere Raumaufteilung notwendig, sodass ein völlig neues Ausbau-konzept entstanden ist (siehe die weiteren Ergänzungen).

Alles in allem ist unser peaky Smiley - wie alle unsere bisherigen Reisemobile auch - ein Kompromiss, der sich aus den geänderten äußeren Erfordernissen und inneren Bedürfnissen erstellt. Fünf Jahre Unimog innerhalb Europas zivilisierter Straßenführungen zusammen mit den geänderten Reisebe-dingungen ließen in uns Vorstellungsänderungen reifen, die sich im neuen Reisemobil widerspiegeln. Und sollte es wider Erwarten ein weiteres Reise-mobil geben, dann werden die dann herrschenden Zu- und Umstände erneut Vorstellungs- und damit Bedürfnisänderungen reifen lassen, die sich in einem nochmals anderen Wohnmobil niederschlagen werden. Im Augenblick aber ist der Smiley das Reise-mobil, das unsere gegenwärtigen Bedürfnisse am besten abzudecken in der Lage ist - auch wenn er zugegebenermaßen nicht der absolute Wunschkandidat war. Aber der war leider auf dem Markt nicht verfügbar ...

Die Farbgebung:   

Nächster großer Schritt war das Herausfinden der richtigen Lackierfarbe, um eine ähnlich gute Tarnwirkung zu schaffen, wie sie bei unserem Grasmog der Fall war (siehe Bild). Es sollte wieder eine grüne Farbe werden wie bei unse-rem Grasmog, aber deutlich "schmutziger", d.h. mit eine größeren Anteil an Oliv- und Braun-tönen (siehe Farbkarten unten). Das war die Intention und mit der machten wir uns auf die Suche nach der richtigen Farbe. RAL-Classic-Farben hatten da schon mal keine Chance, weil die Bandbreite von max. 215 Farben viel zu wenig diversifizieren, d.h. eben auch entsprechende Mischfarben produzieren konnte. Deshalb wandten wird uns gleich den RAL-Design-Farben zu, die mit über 16.000 eine deutlich größere Nuancierungs- bzw. Mischfähigkeit der Farben aufwiesen. Zusätzlich lud ich Farbprogramme auf meinen Rechner, um die Bildschirmfarben so realistisch wie möglich an die realen Farben anpassen bzw. den Bildschirm entsprechend einstellen zu können. Soweit die Theorie. In der Praxis sah das Ganze dann so aus:

Linkes Bild oben zeigt das sog. Cardamom-Green der als stilisierte Wohnkabine gezeigten RAL-Farbenkarte und auf der rechten Seite das Cardamom-Green der lackierten Realität. Die unteren Bilder zeigen die Neu-Lackierung in Gardener-Green; wiederum linke Seite das Bild der Farbkarte und rechts das der Realität.

Lektion1: Die Farbauswahl für die Wohnmobil-Lackierung ist nicht nur eine Wissenschaft für sich, sondern man kann ihr auch noch nicht einmal trauen ...; als Grundsatz sollten sich Wohnmobilisten mit Lackierungswunsch merken: Die digitalen RAL-Karten zeigen die Farben selbst bei einem gut eingestell-ten Bildschirm als "Schattenfarbe", die deutlich dunkler erscheint als sie sich in der Wirklichkeit erweist. Aber auch die gedruckten RAL-Karten zeigen die Farben nicht so, wie sie sich dann in der Realität darstellen. Man sollte also im Zweifel lieber den dunkleren Farbton wählen, damit die Farbe in der Wirklichkeit nicht zu hell wird.

An dieser Stelle sei die Lackiererei Eilers in Leer lobend erwähnt. In zahllosen Mails war die Chefin selber immer wieder geduldiger Ansprechpartner und hat uns in unserem Dilemma nie allein gelassen. Vielmehr kam Sie uns sogar soweit entgegen, dass Sie aufgrund der Umstände bedingten (siehe oben) Fehlinterpretationen anstandslos alle Nachlackierungen zeitgerecht unterbrachte und für alle Arbeiten - und es ist eine fachlich ausgezeichnete Profiarbeit, die mit mehrfachem Ab- und Anschleifen und verschiedenen Lackierungsgängen wirklich hervorragende Ergebnisse erzielt - nur den reinen Arbeits-lohn verlangte. Wir dachten, sowas gab's nur im mittelalterlichen Handwerk. Diese Lackiererei verdient aus unserer Sicht die höchste Auszeichnung des deutschen Handwerks.

Die Abholung von Iveco Gütersloh   

Am 1. Juni war es dann soweit. Wir fuhren zu Iveco nach Gütersloh, um unseren Peaky Smiley in Em-pfang zu nehmen. Der Vertriebschef, Herr Nachtigäller, empfing uns persönlich, um mit uns die Details zu besprechen. Dieser äußerst nette Mensch ist geradezu ein Genie, was die Umbauten des Daily 4x4 in ein Expeditionsmobil betrifft. Er und seine Werkstattmeister sind äußerst findig im Umsetzen von selbst den ausgefallendsten Kundenwünschen (siehe auch die Webseite von Herrn Hasubek). Diesen Leuten fallen Lösungen scheinbar zu, die allen anderen verwehrt bleiben. Auch an dieser Stelle noch-mals recht herzlichen Dank. Wir werden noch öfter bei Ihnen vorbeikommen.

Lackierung und Markierung der Fensterrahmen    

Bevor es zum Experten zum Einbau der sechs Outbound-Fenster und ein Vanglas-Fenster in den Bayr. Wald geht, müssen die Fensterrahmen gründliche gesäubert, grundiert und lackiert werden. Dazu müssen sie zuvor Millimeter genau mit Abdeckfolie überklebt werden, um zu verhindern, dass der Lack im Farbton des Fahrerhauses an das Glas bzw. an dessen Aufhängung geht oder, im anderen Fall, zu wenig tief in den Innenrahmen geht, so dass ein weißer Rand sichtbar würde. Dies ist uns nach zweitägigen Arbeiten und viel Mühe einigermaßen gelungen.

Sodann mussten die Fensteröffnungen für den Einbau der Fenster außen am Wohnmobil angezeichnet werden. Dabei mussten die am Plan des Innenausbaus errechneten Innenmaße auf die Außenseite übertragen werden, wobei die Stärke der Seitenwände bzw. der Decke immer dazugerechnet werden mussten. Dies war nicht immer einfach, weil die Zusammenarbeit auf zwei getrennten Leitern bei gleichzeitigem Abmessen, Anzeichnen und Markieren der genauen Maße nicht nur viel Fingerspitzen-gefühl und gute Augen voraussetzt, sondern auch ein gutes Steh- und Gleichgewichtsvermögen auf den alten Leitern und dem unebenen Boden.

Einbau der Fenster  

Jetzt ging es zur Firma Overland Trucks nach Hauzenberg in den Bayrischen Wald. Die sind Spezialisten für den sehr komplexen (mehrstufigen) Einbau der Outbound-Fenster. Zuerst werden mehrstufige Rahmenausschnitte gemacht, in die dann die Fenster eingeklebt werden. Danach werden sie mit den Innenfenstern samt Mücken- und Verdunkelungsrollos verbunden, sodass alles zusammen ein festver-bundene Einheit bildet. In einem letzten Arbeitsgang werden die Rahmen dann noch speziell abgedich-tet.